Freedom to Explore – Masterclass mit Birgit Zimmermann. Viel mehr als „nur“ ein Workshop.

Nach einigen lehrreichen Workshops, bei denen ich mit durchaus guten Ergebnissen heimkommen durfte, stellte sich mir die Frage: Was ist eigentlich mein Ding? Wovon unterscheiden sich meine Bilder von denen der anderen Workshopteilnehmer. Und allem voran: was will ich mit meinen Bildern aussagen …
Wie so oft suchte ich Rat bei Birgit von bz-fotografie. Und ich hatte Glück, sie arbeitete gerade an einem neuen Workshopkonzept, welches genau diese Themen behandeln sollte. Eine Masterclass mit dem verheißungsvollen Titel: „Freedom to Explore“

Ein halbes Jahr später war es soweit. Ich startete in mein Bergabenteuer. Seit Wochen freute ich mich auf das Wochenende. Aufgeregt war ich, weil es die ersten zwei Nächte weg von den Kindern sein würden. Und aufgeregt war ich auch, weil ich nicht so genau wußte, wie es nach diesem Workshop mit meiner Fotografie weitergehen würde. Es ging diesmal schließlich nicht um technische Tipps und Tricks. Es ging nicht darum, wie man am besten mit dem Model umgeht und es so in Szene setzt, dass Lichteinfall und Umgebung perfekt passen. Nein, diesmal ging es, und ich zitiere Birgit gerne einmal mehr:

„um nichts Geringeres als um deine fotografische Vision.“

Und dann ging es los. Um 18:00 war alles Nötige verstaut und wir machten uns auf den Weg nach Österreich. Und wisst ihr was, schon bei der Fahrt viel die erste kleine Anspannung von mir. Und ein klein bisschen Stolz machte sich breit. Für manche, klingt das wahrscheinlich lächerlich. Aber für mich war es schon eine Überwindung, meine Familie allein zu lassen (und wenn es auch nur ein paar Tage waren) und mich mal nur mit mir zu beschäftigen.

Manchmal erfordert nämlich auch das Mut.

Unser Ziel war eine urige, private Berghütte. Wunderschön gelegen. Super gemütlich und einfach der perfekte Ort für das, was vor uns lag. Ein kühler Seminarraum, ein einfaches Wohnzimmer, ein schönes Restaurant … nichts wäre intim genug gewesen. Diese Hütte war es. Birgit wusste das. Und das war unser Glück. Ich schlafe die ersten Nächte ich fremden Betten nie gut. In dieser Nacht tat ich es. 8 Stunden Schlaf. Das erste mal seit … Jahren …

Dann wurde es ernst. Nach einem leckeren Frühstück folgte erstmal die obligatorische Vorstellrunde. Dann gab es Geschenke – ja ehrlich. Ein für jeden individuell und liebevoll bestücktes Welcome-Package. So schön 🙂

Wir verbrachten den Großteil des Tages mit dem Therorieteil. Wobei das Wort Theorie hier irgendwie nicht passt. Denn wir waren viel damit beschäftigt zu schreiben, zu grübeln, zu lachen und zu weinen. Wir nahmen uns Zeit uns an die großen Meister zu erinnern. Ich fühlte mich kurz zurückversetzt in meine Abizeit, die ich vorwiegend mit dem Studium von Monét und Kandinsky verbrachte. Und wir zeigten unsere Bilder. Die, die wir am meisten mochten. Ich zeigte Birgit auch das erste mal meine  Babyfotografien. Oh, das ist so schön ein Lob von jemandem zu hören, den man selber für sein Können so sehr bewundert.

Am Nachmittag packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg, den Berg hinauf zum Gipfel, den wir zum Sonnenuntergang erreichen wollten. Die nächste Herrausforderung. Was war ich froh, dass ich nicht die einzige Teilnehmerin war, die nicht ganz so fit war. Mit vereinten Kräften und einem starken Willen schafften wir dann aber doch die tausende 😉  von Höhenmeter. Und wir wurden belohnt. Für mich war das ein absoltuer Adrenalinkick. Die Fotosession oben am Berg war schon fast nebensächlich. Ich fühlte den Moment. Ich fühlte mich. Ich fühlte, dass ich genau jetzt mit den richtigen Menschen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort war.

 

Achtsamkeit meint die Kunst,
dem gegenwärtigen Augenblick in seiner ganzen Fülle zu begegnen.

Dir selbst im Augenblick deiner Atmung, deiner Empfindungen,
deiner Gedanken, deiner Gefühle.

Der Vielfalt, die dich umgibt, in Formen, Farben, Geräuschen
und Gerüchen.

Dem Lebendigen, das sich zeigt, im Keim, im Wind,
im Wachsen,
im Kiesel,
der fällt,
jetzt.

Wahrnehmen und freigeben.

                     Julia Grösch

Im Dunkeln wagten wir den Abstieg. Welch ein Abenteuer. Danke.
Der Tag war intensiv. Ein bisschen Erholung für die beanspruchten Muskeln gab es noch in der hauseigenen Sauna und bei dem ein oder anderen Gurktaler 😉

Den nächsten Morgen starteten wir früh, denn wir wollten uns den Sonnenaufgang für eine Fotosession nicht entgehen lassen. Die Almwiese vor unserer Hütte bot hierfür den perfekten Spot. Und an dieser Stelle möchte ich euch auch endlich unsere beiden Models vorstellen. Bianca und Cinni von cinniloveswalkies. Ein ganz liebes Mädl und ein Modelhund, wie er im Buche steht. Sowas hab ich ja noch nicht erlebt. Cinni poste rund um die Uhr, suchte von selber die schönsten Fels- und Baumvorsprünge und war einfach nur bezaubernd. Ein riesiges Dankeschön an Euch zwei. Ohne Euch, wären die Tage nur halb so schön gewesen.

Im zweiten Theorieteil ging es nochmal sehr intesiv um Kreativitätstechniken und auch um den Mut, den es braucht, sein eigenes Ding zu machen. Nicht nach der Norm zu gehen. Nicht zwangsweise das toll finden, was gerade „in“ ist. Sich treu bleiben und sich zu akzeptieren wie man ist. Habt Ihr euch selber schon mal einen Brief geschrieben? Probiert es mal aus.

Mit all diesen Gedanken im Gepäck ging es zum letzten Fotospot. Ein idyllisch gelegener See mit malerischem Bootssteg. Und es wäre nicht Birgit, wenn sie sich hierfür nicht auch etwas Besonderes hätte einfallen lassen. Wir sollten uns beschränken. Auf eine Optik oder auf einen Standort … ich entschied mich dafür, nur in schwarz-weiß zu fotografieren. In der Babyfotografie setze ich dieses Stilmittel schon länger und sehr gerne ein. In der Natur hatte ich mich bisher nicht getraut. Und schon gar nicht, die Kamera von vornherein auf monochrom zu stellen. Es hat sich gelohnt. Es sind so tolle Bilder entstanden.

Der Workshop neigte sich langsam dem Ende. Es wurde zusammengepackt, aufgeräumt und schließlich befanden wir uns wieder auf der Autobahn Richtung Heimat.

Und jetzt wollt Ihr sicher wissen, wie es für mich und meine Fotografie weitergeht. Was mein Ding ist und was ich mit meinen Fotos eigentlich ausdrücken will.

Hätte ich schon jetzt die Antworten darauf, dann hätte der Workshop wohl sein Ziel verfehlt. Nein, ich habe keine Antworten. Aber ich habe eine Idee. Ich weiß nun, was mir wichtig ist und ich habe viele Hilfsmittel an die Hand bekommen, wie ich das in meinen Bildern ausdrücken kann. Eine kleine Landkarte für meine Reise durch ubekannte Gefilde. Und das Wichtigste, ich weiß, es muß nicht perfekt sein. Denn es ist gut so wie es ist.

 

Liebe Birgit,
ein einfaches Danke reicht nicht. Dieses Bergabenteuer war eine so tolle Erfahrung. Du hast die zwei Tage gefüllt mit all Deiner Herzlichkeit. Du hast nicht nur eine sagenhafte Unterkunft für uns gefunden, Du hast uns auch ein Stück in Dein kreatives Inneres blicken lassen. Und bei all dem bist du wie immer aufrichtig und ehrlich. Professionell sowieso. Mit der Masterclass hast Du ein ganz Besonderes Workshop-Erlebnis kreiert. Mit den tollen Übungen, Deinen Erfahrungen und Deinem Zuspruch hast Du mir Mut gemacht, meinen eigenen Weg weiter zu gehen.

Ich bin ein großer Denker, aber leider kein Dichter. Deshalb bediene ich mich der Worte eines anderen. Ich hoffe sehr, Du erkennst darin, was ich durch Dich an diesen zwei Tagen fühlen durfte:

Lasse dich fallen. Lerne, Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten. Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen und verteile sie
überall in deinem Haus. Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.

Weine bei Kinofilmen. Schaukle, so hoch du kannst
mit einer Schaukel bei Mondlicht. Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere dich, „verantwortlich“ zu sein. Tue es aus Liebe.
Mache eine Menge Nickerchen. Gib weiter Geld aus. Mache es jetzt.
Das
Geld wird folgen. Glaube an Zauberei. Lache eine Menge.
Bade im Mondlicht. Träume wilde, phantastische Träume.
Zeichne auf die Wände. Lies jeden Tag. Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu. Öffne dich. Tauche
ein.
Sei frei. Preise dich selbst. Laß die Angst fallen.

Spiele mit allem. Unterhalte das Kind in dir. Du bist unschuldig. Baue eine Burg aus Decken. Werde naß. Umarme Bäume. Schreibe Liebesbriefe.
… und ich sage: Tanze so viel wie möglich.

(j.beuys – how to be an artist)